Regent- Der (gewollte) Untergang eines bayrischen Traditionsunternehmens?


Im „Weißenburger Tageblatt“ erschien zum Thema Regent am 3.4.2019 von dem Redakteur Markus Steinerder Artikel: 

Kaufvertrag rückabgewickelt 

Link zum Artikel

Darin sind viele Mutmaßungen und Behauptungen enthalten, die von den größeren Medien aus guten Gründen nicht übernommen wurden, presserechtlich, aber nicht angreifbar sind. Ich habe mich dazu entschieden nachfolgende Dokumente, trotz teilweiser geltender Vertraulichkeitserklärungen, offenzulegen. Entsprechende Namen sind aus datenschutzrechtlichen Gründen unkenntlich gemacht. Durch diese Transparenz kann sich nun jeder eine eigene Meinung über die Vorgehensweise des Sachwalters und die Arbeit des Lokaljournalisten bilden. 

Mit dem Sachwalter wurde am 28.12., also über vier Wochen vor der Übernahme, eine Exklusivität 

Ansicht Exklusivität

geschlossen. Es fand ein enger Austausch statt, natürlich konnte sich der Sachwalter auch rechtzeitig über uns als potentieller Käufer informieren.

Mit Mail vom 22.1. teilte ich dem Sachwalter in Bezug auf eine Refinanzierung mit:

„Diese wird entsprechend mit der Erwerberstruktur abgebildet. Es hängt entsprechend von der endgültigen Erwerberstruktur ab, danach richten sich die entsprechenden Anteile samt Kapitalbedarf. Wie Sie wissen, bin ich bei der Planung skeptisch und rechne damit, dass wir komplett neu aufsetzen müssen. Als ggf. ergänzenden Finanzierungspartner haben wir die grundsätzliche Bereitschaft des Family Offices (…), es gibt noch weitere Möglichkeiten, die sich aber erneut an der endgültigen Ziel-Struktur richten wird.“

Ansicht Mail

Dem Sachwalter war vorher aber belegbar seitdem bekannt, dass wir auf eine Refinanzierung ggf. zurückgreifen müssen. Am 6.2. beziehungsweise 7.2. wurden die entsprechenden Kaufverträge zwischen den neuen Käufergesellschaften und den Sachwalter als Verkäufer geschossen. Die Kaufpreiszahlungen wurden, da die Refinanzierung noch geschlossen werden musste, mit einer vier Wochen Frist vereinbart. 

Ansicht Kaufvertrag 1

Ansicht Kaufvertrag 2

Nun ist dem Artikel folgendes zu entnehmen:

„Der Insolvenzverwalter Hartmut Krüger hat den Deal mit dem Berliner Unternehmer rückabgewickelt, weil bislang weder Löhne noch der vereinbarte Kaufpreis bezahlt wurden.“

Wer die Kaufverträge liest stellt fest, dass es gar kein vertragliches Rücktrittsrecht seitens des Sachwalters gibt. Und natürlich ist es auflagensteigernd, wenn man weiter meiner Meinung nach unzureichend recherchiert und dennoch einen Artikel meint veröffentlichen zu müssen. Oder wurde der Redakteur vielleicht instrumentalisiert? 

Das Rücktrittsschreiben des Sachwalters wurde uns am 2.4. übergeben. Darin findet sich auch der guten Ordnung halber inhaltlich das wieder, was der Redakteur in seinem Artikel schreibt. Der Rücktritt wird damit begründet, dass der Kaufpreis von uns nicht bezahlt wurde, gleiches träfe für die Gehaltszahlungen zu. 

Ansicht Rücktrittsschreiben

Weiter führt der Sachwalter aus, dass ihm unser Steuerberater kurz zuvor bestätigt hat, dass Bankanfragen negativ verlaufen sind. Wir wurden in der gesamten Transaktion von einer namhaften Wirtschafts- und Steuerberatungskanzlei beraten und begleitet, dazu später noch mehr. Unserem Steuerberater haben wir darauf mit dem Brief des Sachwalters konfrontiert. Schriftlich bestätigte er uns erwartungsgemäß, dass die Behauptung in dem Rücktrittsschreiben des Sachwalters „so nicht den Tatsachen entspricht“. 

Ansicht Mail Steuerberater

Wir waren weiter in Verhandlungen mit Bankpartnern, die aufgrund des „öffentlichen“ Rücktritts von dem Sachwalter natürlich mitbekommen haben. Zur Erinnerung: am 2.4. stellte uns der Sachwalter den „Rücktritt“ zu, am 5.4. kam daraufhin eine Rückmeldung u.a. einer großen Bank, mit der wir transparent die Situation weiter besprochen haben:

„Vielen Dank für die Info. Allerdings tun wir uns aufgrund der negativen Historie (Anmerkung: Gemeint ist der Artikel aus dem Weißenburg Tageblatt u.a.) und der aktuellen Entwicklung mit einer Finanzierung schwer. Dies kann ggf. nur gegen eine werthaltige Absicherung erfolgen.“

Ansicht Mail Bank

Hier lag entgegen der Behauptung des Sachwalters in seinem Rücktrittsschreiben keine Absage vor, sondern es wurde trotz der aktuellen Ereignisse (öffentlicher Rücktritt) durch bankübliche Besicherungen weiter die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft der Bank signalisiert. 

Nun kommen wir zur Begründung im Rücktrittsschreiben, dass wir die Löhne nicht bezahlt hätten. Dazu gibt es eine Vielzahl von Gründen, dazu aber Schritt für Schritt:

In Punkt 9 des zweiten Kaufvertrags (Personal, Arbeitsverträge) geht hervor, dass alle Arbeitnehmer dem Betriebsübergang zustimmen müssen.

Bei der von dem Sachwalter nach Übergabe des Rücktrittsschreibens anberaumte Mitarbeiterversammlung von Regent hat er allen Arbeitnehmern nahegelegt, dem Betriebsübergang zu widersprechen, da er, so berichteten Teilnehmer der Versammlung, ansonsten nicht die Löhne und Gehälter zahlen könne. Dazu müssten die Arbeitnehmer gegenüber der „neuen“ Regent widersprechen, damit sie nach wie vor bei der „insolventen“ Regent tätig sind, bei der er wiederum nur zuständig sei. 

Daraus kann selbst ein Laie ableiten, dass der im Kaufvertrag festgehaltene Übergang der Arbeitsverträge noch gar nicht klar war. Sonst hätte der Sachwalter nicht entsprechend bei der Betriebsversammlung gegenüber den Mitarbeitern agieren können. Und noch klarer in Bezug auf die Gehaltszahlungen ausgedrückt: Welcher Arbeitgeber zahlt Löhne und Gehälter für Mitarbeiter, bei denen unklar ist, ob diese ggf. nicht doch fristgerecht den Betriebsübergang widersprechen? Regent ohne die wesentlichen Mitarbeiter wäre gar nicht fortführungsfähig gewesen. Nun kann man sich die Frage stellen: Hätten wir einfach die Löhne und Gehälter bezahlt- Wäre es dann zum „Rücktritt“ gekommen? Darüber kann man natürlich wiederum diskutieren, wir haben hier eine klare Auffassung, der Sachwalter wird ggf. eine andere haben. Entscheidend ist die Gemengelage insgesamt, die aus dieser Darstellung deutlich wird und im gesamten Kontext gesehen werden sollte. 

Zurück zur Betriebsversammlung: Dort wurde, laut der guten Recherche des Lokalredakteurs, im Artikel folgendes festgehalten:

„Der neue Eigentümer, der den Kaufvertrag erst noch unterschreiben muss, habe dem Insolvenzverwalter und den Regent-Mitarbeitern zugesichert, dass die Löhne bis Weihnachten auf jeden Fall gesichert sind.“

Ja, was denn nun? Entweder gibt es einen „neuen Eigentümer„, dann hat er bereits den Kaufvertrag unterschrieben, oder es gibt (noch) keinen. Nun kann man sich selbst die Frage stellen, wie lange der Sachwalter, vor dem am 2.4. übergebenen Rücktrittsschreiben wohl angefangen hat mit potentiell neuen Eigentümern hinter unserem Rücken zu verhandeln und ob dies solange ein Kaufvertrag (unstreitig) gilt auch statthaft ist.

Am 18.5. erschien wiederum im Weißenburger Tageblatt, dieses Mal aber von einem anderen Redakteur, ein Update zu den Geschehnissen bei Regent:

„Regent in Weißenburg muss endgültig schließen“ 

In keiner Silbe wird einmal die interessante Frage gestellt, was denn nach der vorherigen Berichterstattung mit dem „neuen Eigentümer“, der ja in der Betriebsversammlung vom Sachwalter sogar persönlich präsentiert wurde, passierte. Warum hat er denn nicht unterzeichnet? Wenn er nicht unterzeichnet hat, warum wurde er groß auf der Betriebsversammlung angekündigt und vorgestellt? Warum tritt ein Sachwalter von einem Kaufvertrag zurück, ohne vorher die Unterschrift des neuen Investors zu haben? Was wurde aus der im Artikel erwähnten Zusicherung, dass die „Löhne bis Weinachten auf jeden Fall gesichert sind“?  Vielmehr wird richtiger Weise in dem Artikel die Zukunft von Regent wie folgt beschrieben:

Dann wird der Besitz der Firma zu Geld gemacht. Für die spezialisierten Maschinen liegen Anfragen vor und wahrscheinlich ist auch, dass es den Markennamen Regent weitergeben wird. Auch der ist Teil der Insolvenzmasse und sogar einiges Geld wert“.

Im Klartext: Nachdem alle Ankündigungen vom Sachwalter nichts wurden, versilbert er nun alles, was sich zu Geld machen lässt. Der Nutznießer dieser Einnahmen? Denken Sie mal darüber nach, wer an einer Insolvenz am meisten Geld verdient….

Einen Tag vor der Betriebsversammlung und dem Rücktritt durch den Sachwalter hat dieser mich abends per SMS kontaktiert. Sein Vorschlag war mir ein „wirtschaftliches Angebot“ zu unterbreiten. Auf meine Nachfrage hin, was das sein soll und das unser Anwalt gern zu Gesprächen bereit ist, wurde dann ergänzt „, dass es nur um die Außendarstellung ginge“, ihn würden „alle möglichen Leute fragen, inklusive Presse“.

Ansicht SMS Verkehr 1 (grau unterlegt Text Sachwalter)

Ansicht SMS Verkehr 2 (grau unterlegt Text Sachwalter)

Ich überlasse es dem Leser selbst zu spekulieren, was dieses „Angebot“ heißen sollte und ob denn der Artikel im Weißenburger Tageblatt am Folgetag so erschienen wäre, hätte ich mich auf diesen „Vorschlag“ eingelassen.

Im Rücktrittsschreiben wird erneut aufgeführt, dass der Kaufpreis nicht bezahlt worden wäre. Wie bereits dargelegt wurden wir von einer namhaften, lokalen Wirtschaft- und Steuerberatungskanzlei begleitet. Diese hat auf Grundlage des Kaufvertrags wirtschaftlich diesen abgebildet. Das Ergebnis: Aufgrund der uns seit dem Übernahmestichtag zustehenden, im Kaufvertrag aufgeführten, Umsätze, stehen uns 235.026,09 €zu. Unser Steuerberater hält fest:

„Sämtliche Forderungen richten sich gegen die Regent 1946 GmbH resp. Herrn Krüger und resultieren aus der Abgrenzung zwischen Fertigteilen und Halbfertigwaren. Den Forderungen an Herrn Krüger stehen wiederum dessen Forderungen aus dem Kaufvertrag (insbesondere Kaufpreis) gegenüber.“

Ansicht Mail Steuerberater

Die Kaufpreisforderung als auch alle anderen Forderungen seitens des Sachwalters gegen uns belief sich auf eine deutlich niedrigere Summe, die wir noch aus vertraulichen Gründen für uns behalten. Sofern der Sachwalter sein Einverständnis erteilt, stimmen wir schon jetzt der Offenlegung zu. Nur soviel: Wäre der Sachwalter seiner Verpflichtung der Zahlung gegen uns nachgekommen, wäre die Situation sicher anders ausgegangen. Stattdessen muss er ja die Arbeitnehmer nach dem gescheiterten Betriebsübergang an uns aus der Massebezahlt haben. Sie dürfen sich gern die Frage stellen, ob dies ggf. das Geld war, das eigentlich uns laut Kaufvertrag zugestanden hat, er dieses aber ggf. nicht auszahlte… 

Unsere Forderung wurde jedenfalls nach Feststellung der Höhe mit Rechnung vom 19.3. an den Sachwalter übermittelt, im Vorfeld wurde er und sein Bevollmächtigter bereits darüber in Kenntnis gesetzt: 

Ansicht Rechnung an Sachwalter

Der Sachwalter bestreitet in einem Schreiben diese Rechnung erhalten zu haben. Wir halten dies für Unsinn. Vorab gab es u.a. belegbar einen über Wochen andauernden Austausch in Sachen Berechnungen und Abstimmung zwischen unserem Steuerberater, dem Sachwalter und seinem Bevollmächtigten. Letzterer erklärte sich bereits Ende Februar mit einer Verrechnung einverstanden. Wörtlich:

„Ihre Zahlungsverpflichtungen kann ich Ihnen übersenden, denke aber es macht Sinn, dass wir die vereinnahmten Umsätze – die Ihnen zustehen – gegenrechnen.“

Ansicht Mail Handlungsbevollmächtigter 

Am 19.3. fand in den Räumen der Regent ein Treffen zwischen unserem Steuerberater und dem Bevollmächtigten des Sachwalters statt, in dem die Be- und Verrechnung ebenfalls besprochen und weiter abgestimmt wurde. Darüber war auch der Sachwalter informiert und in cc gesetzt. 

Mail Terminkoordination STB und HBV

Die anschließende Fakturierung entspricht den abgestimmten Feststellungen. Die Rechnung wurde am 19.3. von unserem Steuerberater an die Geschäftsführung der Regent übermittelt. Die Erstellung erfolgte ebenfalls über unseren Steuerberater. Die Geschäftsführung der Regent hat die Rechnung entsprechend an den Sachwalter zustellen lassen.

Mail Weiterleitung der Rechnung vom STB

Die Gemengelage bei Regent war insgesamt komplex und nicht so eindeutig, wie der Redakteur des Artikels es wohl gern gehabt hätte. Kurz nach dem Erwerb kam auch noch u.a. heraus, dass die Marke Regent wohl gar nicht uneingeschränkt geschützt ist. So ist die Marke im Heimatland der Mode, Italien, zweifelhaft. Aufgrund des zeitlichen Drucks bei der Transaktion wurde das Sachverständigengutachten erst nach Erwerb standartmäßig beauftragt und erstellt, darin heißt es:

„Im Rahmen einer kurzen – nicht abschließenden – Marktrecherche wurde ermittelt, dass der Begriff Regent auch von Dritten verwendet wird um Bekleidung zu kennzeichnen – „Regent by Pancaldi & B“9. Es ist dringend zu prüfen, ob hier eine Verletzung der SCHUTZRECHTE durch Dritte vorliegt. Die Marke REGENT BY PANCALDI B ist lediglich für Italien geschützt, wird jedoch auch im Schutzbereich der SCHUTZRECHTE verwendet.“

Ansicht Auszug Sachverständigengutachten.

Natürlich konfrontierten wir mit dieser für uns neuen Erkenntnis den Sachwalter. Seine Antwort: „Für Regent war und ist der ital. Mark völlig uninteressant“

Ansicht Mail Sachwalter

Der Sachwalter entscheidet also für uns als Käufer, ob der italienische Markt interessant ist oder nicht. Diese Erkenntnis fand ich schon damals bemerkenswert. Für uns war es allerdings direkt nach dem Kauf erschreckend festzustellen, dass das hautsächliche Asset (die Marke) gar nicht uneingeschränkt nutzbar ist. Dies hätten wir auch gern vor dem Kauf erfahren. Auch ist die Frage sicherlich gerechtfertigt, ob damit der Kaufpreis in der vollen Höhe überhaupt fällig oder vom Zustand her Bestand haben kann. Der Sachwalter wird darauf verweisen, dass er uns alle Informationen vorher gegeben hat. Nur waren genau diese nicht dabei. Darüber kann man sich also sicher streitbar auseinandersetzen, ich möchte diesen Umstand aber nicht verschweigen, denn er zeigt auch auf, warum es nach Erwerb zu zahlreichen Verzögerungen kam, da immer wieder neue Umstände eintraten, die uns so nicht bekannt waren. Dies finden gar keine Erwähnung in dem Artikel der Lokalzeitung. Vielmehr werden weitere „Recherchen“ aufgeführt, so u.a.:

„2011 ermittelte laut einem Bericht des Hamburger Abendblatts die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen Zachert wegen „des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und des Nichtabführens von Sozialabgaben“. Damals wollte Zachert mit seiner Holding „oz capital“ 200 Reisebüros übernehmen und mithilfe eines eigenen TV-Senders ins Tourismusgeschäft einsteigen. Auch damals klagten Mitarbeiter über nicht ausbezahlte Gehälter. Die „oz capital“-Tochter „ozmedien“ musste schließen. Mangels Masse wurde laut dem Hamburger Abendblatt ein Insolvenzverfahren vom Amtsgericht Hamburg abgelehnt.“

Was der Redakteur in Bezug auf die immer nach einer Insolvenz folgenden, standardmäßigen Ermittlung der Staatsanwaltschaft nicht erwähnt ist folgendes: Er selbst hat nämlich die Staatsanwaltschaft Hamburg vor der Veröffentlichung des Artikels kontaktiert und entsprechend nachgefragt. Die Antwort: „Die Ermittlungen (auf die sich der Redakteur bezieht) sind 2017 gemäß §170 Abs. 2 STPO mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden.“

Ansicht Mail Staatsanwaltschaft

Der Volksmund nennt das eine Einstellung erster Klasse. Das zu erwähnen ist natürlich bei einem solch sicher gewollten Inhalt eines Artikels nicht förderlich, also wurde es wohl besser in den Kontext passt schlicht weggelassen.

Richtig ist, dass das Insolvenzverfahren der OZMEDIEN mangels Masse damals abgelehnt wurde. Das Unternehmen war nur kurz tätig und hatte auch keine großen Verbindlichkeiten in der damaligen Gruppe. Bei einer gewollt vollständigen Recherche hätte der Redakteur aber festgestellt, dass ich freiwillig einen nennenswerten, sechsstelligen Eurobetrag dem Sachwalter der damaligen Unternehmensgruppe zur Verfügung gestellt habe. Dieser bestätigte:

Nach Rücksprache mit dem Insolvenzgericht bestehen keine Bedenken gegen die Aussage, dass durch die Planverfahren der oztravel GmbH, ozinterieur GmbH und ToffToGs Deutschland GmbH und die Drittzahlung von Herrn Zachert die Quote für die Gläubiger so signifikant gestiegen ist, dass sie auf ihre Restforderungen verzichtet haben.“

Ansicht Mail Sachwalter 

Diese Gesellschaften inkludiert übriges auch die erwähnte Muttergesellschaft oz capital. Warum sollte man diesen Umstand auch positiv in der Berichterstattung erwähnen? Nun reicht dem Lokalredakteur offensichtlich das bewusst gezeichnete Bild noch nicht aus. 2017 habe ich ein Gutscheingeschenkeportal namens Meventi übernommen. Es zählte damals zu den größten Deutschlands, ich habe mich zum Kauf entschlossen, da Pro7Sat1 das Portal von Jochen Schweitzer für einen dreistelligen Millionenbetrag übernommen hat. Ich war der Auffassung, dass dadurch beflügelt es auch einen Käufer für Meventi geben müsste. Dies war nicht der Fall, ferner mussten wir feststellen, dass das Geschäftsmodell „Gutscheine“ einzig darauf basiert, dass Kunden vergessen (sollen) die Gutscheine einzulösen (über 50% der gekauften Gutscheine werden schlicht vergessen). Anders wäre mit dem Portal auch kein Geld zu verdienen gewesen, es handelte sich meiner Auffassung nach um eine Art Schneeballsystem. Wir haben diese Feststellung erst nach Erwerb machen können. Wir haben keine Gutscheine verkauft, es wurden somit keine Kundengelder vereinnahmt. Es handelte sich bei der damaligen Kaufentscheidung um einen Fehler, den ich auch vollumfänglich und nachträglich eingestehe. Wir haben daraufhin versucht mit dem Verkäufer eine Einigung zu erzielen, dies war uns nicht möglich. Er bestand auf einen hohen, sechsstelligen Kaufpreis, den er uns gegenüber als Bearbeitungsgebühr für die Gläubiger berechnete. Das war wirtschaftlich nicht tragbar, so dass ich mich zu einem geordneten Insolvenzverfahren der Käufergesellschaft(en) entschlossen habe. Dazu stehe ich und es war nach der getroffenen, falschen Kaufentscheidung richtig.  

Sowas sollte nicht passieren, mein Geschäftsmodell ist allerdings der hauptsächliche Erwerb insolventer Gesellschaften und dabei kann es passieren, dass das Geschäftsmodell trotz besten Überlegungen und guten Absichten dennoch nicht zur gewünschten Restrukturierung führt. So ergeht es übrigens auch anderen Investoren in der Branche, so meldete Beate Uhse, erst vor einem Jahr durch einen Finanzinvestor übernommen, Insolvenz an. René Lezardmeldete 2017 Insolvenz an und stellte gerade erneut einen Antrag. SIHN, zuletzt 2011 und jetzt wiederholt musste trotz eines zahlungskräftigen Investors Insolvenz erklären, oder auch der Automobilzulieferer Weber, der zu einem größeren Finanzinvestor gehört. Es gibt zahlreiche Beispiele, die aufgeführt werden könnten, bei denen aber kein Redakteur ansatzweise eine derartige Berichterstattung fährt, wie das Weißenburger Tageblatt. 

Nun schreibt der Lokalredakteur, um wieder zum Kontext zu Meventi zurückzukommen, dass „es laut dem früheren Insolvenzverwalter 33000 Gläubiger (gab), etliche warten noch immer auf ihr Geld.“ Was der Redakteur aber nicht erwähnt ist, dass diese 33.000 Gläubiger in der insolventen Meventi aufgelaufen sind, mit der wir gar nichts zu tun hatten. Das waren die Kunden, die damals Gutscheine im Glauben von den damaligen Eigentümern gekauft haben, diese auch noch einlösen zu können. Es klingt natürlich besser, wenn man aus dem Text die Schlussfolgerung ziehen könnte, ich hätte 33.000 Gläubiger geschädigt, was erwiesenen Maßen nicht zutreffend ist. Übrigens wurden auch „nur“ rund 12.000 Gläubiger uns gegenüber fakturiert, was immer noch schlimm genug aber erneut auch nicht durch uns verursacht wurde. 

Weiter holt der Lokalredakteur aus: „Etliche der Firmen, bei denen Zachert Geschäftsführer war, gingen entweder insolvent oder wurden liquidiert, darunter unter anderem auch die „Doppio TV Media GmbH. Auf ihren Lohn warten Mitarbeiter zum Teil noch heute.

Zu Meventi habe ich bereits meine Darlegungen ausgeführt. Ganz wild wird es nun, dass der Redakteur die „Doppio TV Media GmbH“ erwähnt, denn da gibt es überhaupt nichts Negatives. Dort war ich zum einen „nur“ einer von zwei angestellten Geschäftsführern (ohne auch übrigens eine Beteiligung zu halten). Weiter wurde das Unternehmen vom dem damaligen Gesellschafter Monate nachdem ich aus der Geschäftsführung bereits ausgeschieden war aus vollkommen anderen Gründen ordentlich liquidiert. Liquidieren kann man bekannter Weise nur dann, wenn vorher alle Verbindlichkeiten bezahlt wurden. Alle Arbeitnehmer haben bei Doppio TV auch nachweislich ihre Gehälter erhalten, gleiches gilt auch für alle Gläubiger. Natürlich ist die Wortwahl im Artikel so gewählt, dass man dem Redakteur keine falsche Berichterstattung unterstellen kann. Das werde ich auch nicht tun. Man kann einen Artikel aber „so oder so“ schreiben und den Eindruck, den man medial erzielen will, durchaus beeinflussen. Wünschenswert wäre es aus meiner Sicht gewesen, man hätte hier vielleicht doch bei einigen Themen weiter recherchiert und ggf. nachgefragt. Man darf sich auch die Frage stellen, welchen Eindruck denn der „neue“ Investor bei Regent von den Artikeln erhalten haben muss? Wollte er sich einer solchen Berichterstattung vielleicht selbst nicht aussetzen und hat deshalb nicht erworben? 

Unser Konzept sah vor, ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen strategisch zuzukaufen und dieses mit Regent zu verschmelzen. Dadurch wäre der Verlust bei Regent aufgefangen worden und man hätte eine kritische Umsatzgröße und Marktpräsenz erreicht. Wir hatten damals bereits eine Exklusivität mit dem Verkäufer des gesunden (und bekannten) Unternehmens auch aus der Mode-Industrie schriftlich geschlossen. Ebenfalls lag eine Absichtserklärung eines Investmentfonds über die Refinanzierung des Mergers vor.

Ansicht Absichtserklärung

Nun kann man darüber mutmaßen, ob unsere Idee zum Erfolg geführt hätte. Wir sind erneut davon überzeugt, dass unsere Strategie richtig war. Wären wir damit gescheitert, hätten wir das gleiche Ergebnis wie jetzt in Form der Abwicklung auch. Vielleicht aber mit einem kleinen Unterschied: Es hätte ggf. ein anderer Sachwalter das Verfahren erhalten und somit hätte der jetzige an der Abwicklung kein Geld mehr verdienen können…

Meine Anwälte haben versucht im Eilverfahren vor dem Landgericht und Oberlandesgericht Nürnberg den Ausverkauf von Regent zu stoppen. Dies ist, nur in Hinblick auf die Eilbedürftigkeit, nicht gelungen. Wir werden weiter gegen den Rücktritt mit allen juristischen Mitteln vorgehenund einen umfassenden Schadensersatz gegen den Sachwalter geltend machen. Bis dies gerichtlich entschieden ist wird Regent bereits vom Markt sein. Sollte uns das Gericht folgen, wird die Frage der Verwertung der Assets bei Regent noch spannend. Unserer Auffassung nach müsste der Sachwalter die potentiellen Käufer von der juristischen Auseinandersetzung informieren oder müsste die Käufer von möglichen Ansprüchen gegen ihn freistellen.

Ich hoffe, dass diese Offenlegung von Dokumenten samt ergänzenden Erklärungen zu einer richtigen Einordnung des Artikels führt. Am Ende ist es bedauerlich, dass ein traditionsreiches Unternehmen durch gezielte Taktiererei abgewickelt wird. Daran dürfte nur eine Person wirtschaftlich profitieren, der für Abwicklungen von insolventen Unternehmen bezahlt wird…

Abschließendes noch ein kurzer Umstand aus der Vergangenheit zu dem Verlag, der diesen Artikel veröffentlicht hat:

Wer mit dem Finger auf einen zeigt und meiner Auffassung nach so einen schlecht recherchierten Artikel veröffentlicht, muss sich auch gefallen lassen, wenn man sich einmal über die Historie der Muttergesellschaft bei dem der Lokalredakteur angestellt ist, dem Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg, beschäftigt. Eine Tochtergesellschaft war die PZD Nordbayern GmbH. Anfang März 2013 wurde die Gesellschaft an einen Investor verkauft. Im September 2013, also keine sieben Monate später, erfolgte die Einstellung der Geschäftstätigkeit, mehrere hundert Arbeitnehmer verloren laut Berichterstattungen Ihren Arbeitsplatz.

Link zum Artikel

Link zum Wikipedia Eintrag.

Nun kann man natürlich den Verlag durch den (natürlich rechtzeitigen) Verkauf (Glückwunsch dazu) nur wenige Monate zuvor selbstverständlich nicht mit der Abwicklung in Verbindung bringen. Das werde ich selbstredend auch nicht tun. Es kann sich aber jeder selbst seine eigene Meinung bilden, wie er diese Vorgehensweise findet und vor allem ob denn die eigene Berichterstattung des Verlags entsprechend so „kritisch“ war, wie sie bei Regent seitens des Weißenburg Tageblatt ist.